Unsere "dunkle" Seite?

Der eigene Schatten - Freund oder Feind?

 

Autor: Brigitte Schießl

(www.brigitteschiessl.de/Blog)

"Über den eigenen Schatten springen" - jeder kennt diese Redensart.

Sie stammt aus einer Zeit in der die Menschen glaubten, der Schatten  sei untrennbar mit der Seele verbunden.

Landläufig wird damit gemeint, dass jemand etwas tut, das ihn starke Überwindung kostet.

 

Der Schatten kann sich vielgestalt zeigen:

  • Wir fürchten uns vor der Aussprache mit einem Kollegen,
  • schämen uns einer Notlüge gegenüber unserem Partner oder
  • fühlen uns schuldig, zu wenig Zeit für unsere Kinder zu haben.

Doch - ist er nun Freund oder Feind?


Und - ist der Schatten nun "untrennbar mit unserer Seele verbunden"?


C. G. Jung beschrieb den Schatten als alles, aus dem Bewusstsein verdrängte.

Ein Teil davon besteht aus dem kollektiven Schatten, unseren Urängsten, die sich im Laufe der menschlichen Entwicklung angesammelt haben. Der andere Teil ist unser ganz persönlicher, individueller Schatten, entstanden nach unserer Geburt in dieses Leben.

Der Schatten ist somit eine Fülle von Bewusstseinsteilen, die immer wieder ungebeten in unserem Leben intervenieren.


Kann etwas, das ich aus meinem Bewusstsein verdrängt habe ein Freund sein?


Es ist unbestritten, dass das Verdrängte zu meinem Leben gehörte und somit ein Teil von mir - zumindest - war.

Daraus folgt, dass ich einen Teil von mir verleugnet habe - und weiterhin verleugne.

 

Wir alle wissen, dass wir pfleglich mit uns umgehen sollten.

Habe ich dann "einen Freund in die Wüste geschickt"?

 

Solange wir Teile von uns selbst verleugen, solange sind wir nicht ganz.

Wenn wir uns gegen uns selbst stellen - als was sehen wir uns dann? Als Freund oder als Feind?

Wenn wir einen Teil von uns ablehnen, lehnen wir damit uns selbst ab.


Doch was für ein Leben können wir führen in Zwietracht mit uns selbst?


Wenn wir den Schatten - als was er sich auch immer zeigen mag - als Freund betrachten,verliert er seinen Schrecken.

Ein Freund möchte uns nichts Böses, er möchte uns helfen unser Leben zu verstehen und zu meistern.

 

Wenn wir dann im zweiten Schritt fragen: "Was möchtest du mir sagen?" und uns die Zeit nehmen, in uns hinein zu horchen,

kann er uns wertvolle Hinweise für ein gesünderes, gelingenderes Leben und Entwicklungsmöglichkeiten geben:

  •  Unsere Ängste zeigen uns, wo wir mehr über uns selbst in Erfahrung bringen,
    uns annehmen und damit die Freiheit schenken sollten.
  • Unsere Scham macht uns darauf aufmerksam, uns unseres Wertes bewusst zu werden
    und uns damit Frieden zu schenken.
  • Unsere Schuld lädt uns ein, uns zuerst liebevoll mit uns selbst und im nächsten Zug mit dem anderen auszusöhnen.

Versöhnen Sie sich mit Ihrem Schatten und geben Sie ihm die Chance,

Ihnen ein hilfreicher Begleiter auf Ihrem Lebensweg zu sein.

 

Springen Sie nicht über Ihren Schatten - reichen Sie ihm die Hand,

sehen Sie das verborgene Licht in ihm und nehmen Sie es Schritt für Schritt wieder in sich auf.


Ich wünsche Ihnen eine wundervolle und spannende Reise in eine Zukunft mit immer mehr Licht und Versöhnung.

Lassen Sie sich berühren!

 

Ihre Brigitte Schießl